John Beiruti

Interview vom 28. März 2011

John

  1. Name:
    John Beiruti

  2. Alter:
    49 Jahre

  3. Verheiratet?
    Ja

  4. Hast du Kinder?
    Ja, 3 Stück. Ein Sohn (19 Jahre alt), zwei Töchter (24 und 20 Jahre alt).

  5. Wo wohnst du?
    Ich wohne auf dem TSS-Campus im Erdgeschoss vom Pädagogischen Zentrum. Übrigens, war dieses Gebäude ursprünglich mal ein Lehrlingsheim. Am Anfang wurde das ganze Gebäude für diesen Zweck verwendet. Dann wurde das Erdgeschoss umgebaut um eine Wohnung für mich und meine Familie zu schaffen. Nun wurde vor kurzem auch der obere Teil des Gebäudes renoviert und das Pädagogische Zentrum geschaffen das wir heute sehen.

  6. Wo bist du geboren worden?
    Ich wurde im Libanon geboren. Dort war ich ein Waisenkind. Mein Vater starb früh. Im Jahre 1966 kam ich als 5-Jähriger an die TSS. Ich war in der ersten Gruppe von Schülern welche die Schule hatte (Sie wurde im selben Jahr eröffnet). Ich machte meine ganze schulische Grundbildung an der TSS bis zur 10. Klasse. Danach besuchte ich zur beruflichen Ausbildung die Metallwerkstätten hier an der Schule und machte dort meinen Abschluss als Metallverarbeiter. Darauf ging ich nach Deutschland um meine beruflichen Kenntnisse zu vertiefen. Als ich wieder zurück an der TSS war startete ich hier als Berufsbildner in der Metallwerkstätte für das erste Lehrjahr.
    Nachdem ich in diesem Bereich eine Zeit lang gearbeitet hatte, wurde ich gefragt ob ich gerne als Erzieher im Lehrlingsheim arbeiten möchte. Zu jener Zeit hatte es zu wenig Erzieher, aber ich denke auch, dass sie mich ausgewählt haben, weil ich selbst hier zur Schule gegangen war und deshalb gut wusste was die Kindern brauchten.
    Im Jahre 2007 dann wurde die Idee vom Seilgarten hier an der TSS vorgestellt und mir wurde angeboten das Management desselben zu übernehmen. Zuerst hatte ich keine Ahnung um was es ging und hielt es eher für unnütz. Deshalb ging ich nach Deutschland um selbst zu erleben um was es ging und kam dann überzeugt von der Sache wieder zurück und übernahm den Job als Seilgarten-Manager, den ich noch heute innehabe.

  7. Was sind deine Hobbys?
    Schwimmen, klettern, wandern und die grüneren Teile Jordaniens geniessen (z. B. in Mahiin).

  8. Was denkst du ist das Wichtigste im Leben?
    Friede. Besonders hier im Nahen Osten ist es das wichtigste überhaupt, weil hier soviel Gewalt und Hass existiert. Ich bin besorgt darüber was hier in der Zukunft passieren wird. Also hoffe ich sehr fest das endlich Friede in alle Länder hier kommen wird. – Friede ist ein wunderbares Wort. Wenn man es ausspricht formt der Mund ein Lächeln.

  9. Was ist deine Aufgabe an der TSS?
    Ich bin Manager des Seilgartens.

  1. Woher stammt die Idee mit der Erlebnispädagogik? Wessen Idee war es?
    Die originale Idee stammt von einem Deutschen Dozenten namens Jochen Werle. Musa Munaizel hier von der TSS hat dann mit ihm zusammengearbeitet um diese neuen pädagogischen Ideen hier umzusetzen. Um dies zu erreichen erklärte Musa den anderen hier an der Schule was Erlebnispädagogik bedeutet. Zuerst lachten wir über diese Ideen. Dann aber ging ich selbst nach Deutschland um zu sehen um was es sich handelt. Dort wurde mir klar was für eine gute Sache dieses erlebnispädagogische Konzept ist und wie es uns wichtige Dinge für unser alltägliches Leben beibringt.
    Als ich wieder zurück in Jordanien war, half ich den Sinnesgarten und den Seilgarten hier an der TSS zusammen mit einer Pädagogik-Expertin und zwei Experten vom BBW aus Deutschland aufzubauen. Ich bin sehr stolz auf das Resultat, weil wir es alles mit unseren eigenen Händen geschaffen haben. Wir mixten den Zement, spannten die Seile etc. Dies war eine sehr gute und interessante Erfahrung.
    Zusätzlich würden wir gerne den Seilgarten noch um eine Seilbahn erweitern. Obwohl diese hauptsächlich zum Spass sein wird und weniger zu pädagogischen Zwecken, wäre dies dennoch gut v. a. für die Gruppen die von ausserhalb der TSS kommen um den Seilpark zu benutzen.

  2. Welchen pädagogischen Nutzen bringt der Seilgarten, der Streichelzoo und der Sinnesgarten den Kindern?
    Ja, der ursprüngliche Zweck wieso wir Seilgarten etc. gebaut haben sind natürlich die Kinder. Vor zwei Wochen haben wir damit begonnen ihnen Unterricht zu geben hier im Seilgarten.
    Wir haben zwei verschiedene Teile Tief-Seil und Hoch-Seil. Im tiefen lernen die Kinder Team-Fähigkeiten weil man da zusammen als Team arbeiten muss um weiter zu kommen.
    Im Hochseil-Teil lernt man wie man seine Ängste überwinden kann, da man ein gewisses Mass an Mut zeigen muss, um diesen Parcours zu bestehen. Und natürlich lernt man hier auch seine eigenen Grenzen kennen.

  3. Welche dieser drei Projekte (Seilgarten, Sinnesgarten, Streichelzoo) ist dein Favorit? Wieso?
    Der Seilgarten. Weil ich ich mich am meisten mit diesem Projekt identifiziere.
    Ein Erlebnis was mir besonders gefallen hat und wo ich gesehen habe wie viel man im Seilgarten lernen kann, war als ich mal jemanden abseilte der zuerst grosse Angst davor hatte. Dann aber überzeugte ich ihn in mich und die Ausrüstung zu vertrauen und das Abseilen klappte bestens.

  4. Was gefällt dir allgemein an der TSS am Besten?
    Mir persönlich gefällt der Seilgarten am Besten. Ich bin stolz darauf weil ich ihn aus dem nichts zu dem gemacht habe was er heute ist.

  5. Was an der TSS hat es deiner Meinung nach am Nötigsten verbessert zu werden?
    Es gibt zu viele neue Gesichter und Änderungen an der TSS. Das erzeugt Misstrauen und ist schlecht für die allgemeine Stimmung an der Schule. Als ich ein Kind war, war die Situation hier mehr wie in einer grossen Familie. Jetzt kümmern sich alle nur noch um ihre eigenen Angelegenheiten.
    Das Wichtigste was verbessert werden sollte ist sicherlich das Internat Es braucht Renovierung, bessere Erziehung für die Kinder und v. a. sollte der Umgang mit den Kindern herzlicher und liebevoller werden. Das Internat ist das Herz der TSS denn hier lernen die Jungen die wichtigsten Lektionen für ihr Leben, nämlich die vom täglichen Zusammenleben. Wir können uns nicht leisten, dass mir dies verlieren.
    Jungen die an der TSS gewesen sind, waren für lange Zeit dafür bekannt, dass sie sich durchsetzen können und nicht alles mit sich machen lassen. Ich denke heute zu Tage erlangen die Jungen hier nicht mehr ein solches Selbstvertrauen.

  6. Was wünscht du dir selbst und der TSS für die Zukunft?
    Ich hoffe der Seilgarten wird künftig mehr akzeptiert und es kommen mehr Erzieher mit ihren Kindern hierhin, so dass er seinen pädagogischen Zweck erfüllen kann für den er ursprünglich gebaut worden ist und nicht nur für Gruppen ausserhalb der TSS.
    Generell wünsche ich mir Frieden für die Leute hier im Nahen Osten. Das würde so viele Dinge in unserem Leben besser machen. Schaue, in den arabischen Ländern gab es nie wirklichen, dauerhaften Frieden. Dennoch tun wir ständig unser Bestes um ihn zu erreichen.

  7. Was möchtest du der Schweizer-Leserschaft bzw. der tschneller.org-Leserschaft sonst noch mitteilen? 
    Ich bin stolz darauf an der TSS zu arbeiten, dass ich Schüler hier war, und dass ich hier lebe. Ich habe Schneller-Schule in meinem Blut. Sie war meine Mutter und ist es noch immer. Sogar wenn ich einen besser bezahlten Job ausserhalb der Schule angeboten bekäme, würde ich dennoch an der TSS bleiben. Obwohl der Lohn hier nicht so hoch ist, ist das leben hier trotzdem besser weil hier eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Es liegt etwas in der Luft.
    Meine Kinder zieht es ins Zentrum von Amman weil dort mehr los ist als hier in der Nähe der TSS. Aber ich bin mir sicher, dass sie Schneller-Schule bald einmal vermissen werden, denn sie wurden hier geboren und sind hier aufgewachsen.