Netzwerk-Kabel und Beinbruch

Geschrieben von rolandhaeusler am 25.01.2012

Der IT-Supporter hat in einer Organisation eine ähnliche Stellung wie der Hausmeister: Mit beiden sollte man es sich nicht zu arg verscherzen, wenn man den nächsten Wasserrohr-Bruch nicht im Nassen sitzen will, bzw. wenn das Excel wieder mal die Arbeit der letzten zwei Wochen gelöscht hat. Diese Wahrheit hatte ich schon bei meiner Arbeit in der Support-Abteilung der Novartis gelernt.

Hier wird genetzwerkt!

Hier wird genetzwerkt!

Dennoch werde ich bei der Arbeit nicht mit Rosenwasser besprenkelt. Das liegt nicht nur daran, dass es hier doch noch ziemlich viele Leute gibt, die keinen Computer benötigen und so von den Vorteilen eines neuen Schulnetzwerkes erst überzeugt werden wollen.

In vielen Dingen musste ich mich etwas anpassen, so empfinde ich die Organisations-Hierarchie als steiler, als ich das gewöhnt bin. Erst bespreche ich mit Vorgesetzten und dann hoffe ich, dass beim Telefonspiel die Hierarchie-Leiter runter die Information am Ende richtig ankommt.

Auch kann ich nicht in ein Büro reinplatzen mit den Worten “Guten Morgen, kannst du bitte dies und jenes für mich erledigen?”. D.h. ich kann schon, aber die Erfahrung zeigt, dass dann “dies und jenes” eher am unteren Ende des Stapels der zu erledigenden Dinge Platz nimmt.

Interessanterweise habe ich diese Andersartigkeit zu schätzen gelernt. Es ist wie ein Spiel. Wenn ich in eine Sackgasse reinlaufe, muss ich halt unkehren und einen anderen Weg suchen. Ich habe die grundsätzliche Regel, dass ich wenn ich etwas erledigt brauche, drei Mal darum bitte. Wenn sich nach drei Mal nichts bewegt hat, suche ich einen anderen Weg.

Erstaunlicherweise hat es sich herausgestellt, dass es hilft mit den Leuten zu reden, was einem Informatiker erst mal einfallen muss. Wenn ich also z.B. etwas brauche, geh ich vielleicht einfach mal vorbei wenn die Mitarbeiter Pause haben. Das hat nicht nur den Vorteil, dass ich vielleicht eine Tasse Tee offeriert bekomme. Ich erfahre auch, dass man im einen Supermarkt in Khirbet richtigen Schinken kaufen kann. Ausserdem hat sich Saad Hariri, ein ehemaliger libanesischer Premierminister, beim Skifahren in Frankreich die Beine gebrochen. Möglicherweise kommt das Gespräch noch auf “dies und jenes”, welches ich erledigt haben sollte. Und – Päng! – ist es getan.

Auf diese Art habe ich auch die Leute kennen und schätzen gelernt. Alle haben interessante und zum Teil auch happige Geschichten zu erzählen. Und so ertappe ich mich auch schon mal, dass ich nach einem Grund suche, um mal wieder in der Lehrlingsabteilung bei der Pause vorbeizuschauen.

Der Supporter ist ja auch eine Art Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Ich bin durch die Installation an vielen Orten an der Schule präsent. Und immer, wenn ich gefragt werde, was ich tue, gebe ich natürlich gerne Auskunft. “Gibts bald Internet?” “Mal schauen. Erst mal ein internes Netzwerk. Vielleicht Internet. Vielleicht neue Computer. Erst mal werd ich hier das Kabel verlegen, dann schauen wir weiter.” Das Gute dabei ist, dass sich schon durch meine Präsenz ein Interesse an meiner Arbeit ergibt und dadurch auch Unterstützung.

Vielleicht bilde ich mir nur ein, dass alles flüssiger läuft als zu Anfang. Tatsache ist aber, dass in den letzten zwei Wochen ein grosser Teil des Netzwerkes installiert wurde und wir bald mit ersten Tests beginnen können.


Es grüsst der libanesische Januar

Geschrieben von rolandhaeusler am 16.01.2012

Nach meinem “Fronturlaub” in der Schweiz hat letzte Woche der Schulbetrieb wieder begonnen an der Johann Ludwig Schneller-Schule im Libanon. Bereits am Mittwoch nachmittag machte sich auf den Gesichtern mancher Angestellten ein erwartungsfrohes Lächeln breit: “Es gibt Schnee!”

Was das bedeutet, wurde mir schon am Donnerstag vor Augen geführt. Als ich um 07.00 Uhr aus dem Fenster schaute, sah ich den Schnee in grossen, schweren Flocken vom Himmel fallen. Eine Stunde später fiel immer noch Schnee und ich sah die Schulbusse vorfahren. Ich dachte die Busse wären vielleicht verspätet aufgrund des Schneefalls, obwohl der Schnee nicht liegen blieb auf den Strassen, jedenfalls nicht in unserer Umgebung.

Bei einem Blick aus dem anderen Fenster im Wohnzimmer, sah ich, dass unser Balkon unter Wasser stand. Der winzige Abfluss war mit  Tannen-Nadeln verstopft. “Hoffentlich ist der hausseitige Absatz höher, als der äussere Rand des Balkons”, hoffte ich noch und schaute auf meine Füsse. Der Teppich unter mir hatte sich schon vollgesogen mit dem Wasser, das bei der Balkontür hereinlief.

Johannes hat sich dann geopfert, draussen barfuss den Abfluss zu entstopfen und das Wasser abzuschöpfen. Die nächste halbe Stunde verbrachten wir mit Aufräumarbeiten im Wohnzimmer.

Johannes rettet in der Not

Johannes rettet in der Not

Als ich um etwa 09.30, der Schneefall war mittlerweile in Regen übergegangen, über den Schulhof in Richtung Computer-Raum ging, erkannte ich erst, warum die Schulbusse aufgefahren waren. Auf den Gesichtern der Leute hatte sich das Lächeln nun noch etwas vergrössert und jemand informierte mich, dass der Schulunterricht für die Woche zu Ende sei. Der Chef hatte den Stecker gezogen und an der Schule war eine grossangelegte Evakuation im Gange. Die Internatskinder hatten bereits ihre Taschen gepackt und waren auf dem Weg zu den Bussen, welche nicht Kinder ausluden, wie ich gedacht hatte, sondern sie vielmehr wieder einsammelten.

Zu diesem Zeitpunkt hielt ich das noch für eine Überreaktion, doch es sollte sich herausstellen, dass es wohl die richtige Entscheidung gewesen war. Aber der Reihe nach.

Um 10.00 Uhr hatte sich das Schulgelände bereits in eine Geister-Stadt verwandelt. Zusammen mit Johannes eilte ich zu Monah vom Maintenance-Department, um ihn zu bitten, uns noch ein Wenig Heizöl herauszugeben, damit wir mal den Ölofen in unserer Wohnung anwerfen konnten, um unsern Teppich trocken zu kriegen.

Um 12.30 Uhr sass der harte Kern der Zurückgebliebenen, Hans von der Buchhaltung, die Deutschlehrerin Maria, die Volunteers, Erzieher Ara und ich beim Mittagessen in der Dining Hall und staunte über die Effizienz, mit welcher die Evakuation abgelaufen war.

Am Nachmittag fing es wieder an, zu schneien, und wie. Tony, der Mathematik-Lehrer mit einem Faible für Meteorologie, hatte mich am Dienstag noch aufgeklärt: In Khirbet Qanafar fällt etwa gleich viel Niederschlag wie in Paris, aufs Jahr gerechnet. Aber während es in Frankreich konstant immer mal wieder regnet, fällt praktisch die gesamte Niederschlagsmenge in der Bekaa in den Monaten Januar und Februar.

Winter-Wonder-Land

Winter-Wonder-Land

Den Nachmittag verbrachten wir in unserer Wohnung in einem wohligen Nebel von Heizöl, schlechter Luft und Wasserdampf. Wir hielten es für eine gute Idee, das Wohnzimmer auf geschätzte 25 Grad zu aufzuheizen, um den Teppich wieder trocken zu kriegen. Das war an sich keine schlechte Idee, nur ans Arbeiten war in diesem Dämmerklima nicht zu denken.

Als wir dann abends beim Take-Away Sandwiches bestellen wollten, wurde uns beschieden, dass es keinen Hauslieferdienst gäbe. Ein Blick aus dem Fenster erklärte warum. Der Regen war wieder in Schnee übergegangen und es lagen bereits etwa 10cm Schnee. Die Kinder bei diesen Verhältnissen noch nach hause schicken zu müssen, wäre gefährlich gewesen. Gut, dass sie zu dem Zeitpunkt schon alle zuhause waren.

Wenn Sie mehr über das Wetter an der JLSS erfahren möchten: AccuWeather


Frohe Weihnachten, eine neue Webseite und ein glückliches Neues Jahr

Geschrieben von admin am 23.12.2011

Letzte Woche habe ich die neue SVS-Webseite aufgeschaltet unter schnellerschulen.org als ein erstes sichtbares Resultat meiner Arbeit. Die Webseite wurde mit WordPress erstellt, einer Software, die ursprünglich zum Bloggen entwickelt wurde, mit der man aber auch ganz normale Webseiten erstellen und administrieren kann.

Um den Webauftritt des SVS zu vereinheitlichen, wird auch der mir liebgewordene schnellerzivi-Blog in Zukunft in die Seite integriert und weitergeführt unter ziviblog.schnellerschulen.org. Auf dieser neuen Plattform werden auch zukünftige Zivildienstleistende über ihre Einsätze und Erfahrungen berichten.

Eine Erfolgsgeschichte

Mit dem schnellerzivi-Blog ist es gelungen innerhalb von 3 Monaten 1500 Klicks anzuziehen. Ich hoffe, dass alle treuen Leserinnen und Leser auch weiterhin meine Beiträge verfolgen und es mir nachsehen, wenn die neue Webseite noch den einen oder anderen Fehler aufweist. Für Korrekturmeldungen sind wir immer dankbar und wir versuchen, die Fehler so schnell wie möglich zu beheben.

Schnellerzivi-Statistik

Schnellerzivi-Statistik

Durch den Umzug des Blogs auf die neue ziviblog.schnellerschulen.org-Plattform stehen jetzt neue technische Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen wir den Verkehr auf unseren Webseiten analysieren können, Fehler herausfiltern, Präferenzen erkennen und Informationen besser und benutzerfreundlicher präsentieren.

Dazu gehört auch, dass wir Internet-Suchmaschinen beobachten und schauen, wie unsere Seiten gewichtet werden. Eine Google-Suche nach “Zivildienst Naher Osten” beispielsweise zeigt die schnellerschulen.org-Webseite als erstes Resultat an, genauso wie die Suche nach “Schneller Schulen”.

Besucherstrom

Besucherstrom

Das Ziel soll es sein, mit Hilfe der neuen Webseite, mehr Leute zu erreichen, die Arbeit des Vereins und der Schneller-Schulen bekannt zu machen und auf diese Weise neue Interessenten, Mitglieder und Spender zu erreichen, aber auch mögliche zukünftige Schneller-Zivis zu animieren, einen Zivildiensteinsatz im Libanon oder in Jordanien zu machen.

Nächstes Jahr, nach der Weihnachtspause, wird es dann hoffentlich Zeit, weitere Früchte meiner Arbeit zu ernten. Ich freue mich schon darauf nach den längeren Vorbereitungen das neue Computer-Netzwerk in Betrieb zu nehmen und auf Herz und Nieren zu testen. Auch habe ich mir vorgenommen, in der zweiten Hälfte meines Einsatzes mehr über die Leute an der Schule im Libanon zu schreiben, die Lehrer, die Schüler und die Arbeitskräfte im Hintergrund.

Und während hier an der Schule mit einem Gottesdienst mit viel Gesang und Musik, sowie einem Festessen für die Internatskinder die Weihnachten eingeläutet werden, verabschiede ich mich mit ein paar Fotos in die Weihnachtspause, welche ich zuhause in der Schweiz mit meiner Familie verbringen werde.

Ganz schamlos sei an dieser Stelle noch auf die Spenden-Seite der neuen Webseite verwiesen. Der SVS unterstützt die Schneller-Schulen finanziell vor Allem durch projektbezogene Spenden, wie zum Beispiel mit Beiträgen an das oben erwähnte Computer-Netzwerk, welches ich gerade aufbaue.

Der Ziviblog wird ab dem 8. Januar 2012 wieder zurückkehren mit Berichten, Geschichten und Neuigkeiten von der Johann Ludwig Schneller-Schule, in Khirbet Qanafar, Libanon.


Zwischenbericht Zivildiensteinsatz

Geschrieben von rolandhaeusler am 14.12.2011

Wenn man einen Zivildiensteinsatz von länger als 4 Monaten leistet, muss man alle drei Monate einen Zwischenbericht verfassen über den Einsatz und die geleistete Arbeit. Da das ausser der Zivildienststelle vielleicht noch andere Leute interessieren könnte, folgt nun ein Auszug aus dem Bericht über meine bisher geleistete Arbeit:

Zwischenbericht Zivildiensteinsatz Roland Häusler vom 12.12.2011

Diensteinsatz Bern: 12.09.2011 – 09.10.2011

Beim SVS habe ich die Vereinswebseite einer Analyse unterzogen und gemeinsam mit Herrn Christoph Schmitter, dem Präsidenten des SVS, Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert auf Basis der bisher geleisteten Arbeit an der Webseite. Ich habe dann die Webseite mit einer neuen Technologie (WordPress) testweise neu aufgesetzt, mit dem Ziel, einige inhaltliche Weiterentwicklungen umzusetzen und die Administration zu vereinfachen.

Neben der Webseite habe ich mich auch um die Adressverwaltung gekümmert. Der Verein  verwaltet eine Datenbank von ca. 1300 Adressen. Dabei handelt es sich sowohl um Mitglieder, als auch um interessierte Personen und gelegentliche Spender, welche das vierteljährlich erscheinende Schneller-Magazin zugeschickt erhalten.

Es hat sich gezeigt, das die bisherige Handhabung (Excel) an Grenzen stösst und ich wurde beauftragt, mögliche Lösungen abzuklären, wie diese Datensätze effizienter verarbeitet werden können.

Dazu habe ich verschiedene Programme und Dienste angeschaut und auch Überlegungen angestellt, selber ein Programm zu schreiben. Die Lösung die sich schlussendlich als die vorläufig beste erwiesen hat ist ein kommerzieller Online-Dienst (Webling). Ich habe die Webling-Umgebung entsprechend unseren Anforderungen konfiguriert und die bestehende Adress-Excelliste importiert.

Mit Frau Ruth Endres, einer Seniorin, die letztes Jahr einen Freiwilligeneinsatz an der Schneller-Schule in Jordanien gemacht hat, habe ich ein Interview geführt über ihre Erlebnisse. Zu diesem Zweck habe ich sie bei ihr zuhause in Baden besuchen dürfen und habe mit ihr ein längeres Gespräch geführt. Dieses Gespräch habe ich in einem Artikel aufgeschrieben, welcher als Schweizer Beilage zur Herbstedition des (vom deutschen Trägerverein herausgegebenen) Schneller-Magazins versandt wurde. Eine Kopie des Artikels habe ich als Beilage zu diesem Bericht angefügt (Der Nahe Osten ist wie ein Magnet).

Schliesslich habe ich auch beim Einpacken der Schneller-Magazine für den Versand noch mitgeholfen bevor ich dann mit einem Monat Verspätung doch noch in den Libanon abgereist bin.

Einen Teil der Arbeit habe ich von Basel aus ausführen können, dabei habe ich stets eng mit Herrn Schmitter koordiniert und bin ein- bis zweimal pro Woche zur Besprechung und Präsentation der Arbeit nach Bern gefahren.

Dieser erste Monat in der Schweiz war für mich sehr interessant, nicht nur weil ich meine fachlichen Fähigkeiten produktiv einbringen konnte, sondern auch weil ich viele Leute kennengelernt habe, die mit dem Verein zu tun haben und auch bereits Verbindungen zu der Schule im Libanon haben. Und nicht zuletzt habe ich einen spannenden Einblick bekommen in die Thematik, was es bedeutet einen Verein zu organisieren und Vereinsarbeiten durchzuführen.

Diensteinsatz Libanon: 10.10.2011 – jetzt

Nachdem das Visum anfangs Oktober ausgestellt worden war, bin ich am 10.10. in Beirut angekommen. Die Schule hat mich am Flughafen abholen lassen. Zuerst herrschte bei der Passkontrolle einige Verwirrung, weil ich nicht sicher war, ob ich das richtige Visum erhalten hatte. Das hat sich aber schnell geklärt und mittlerweile bin ich im Besitz einer bis Oktober 2012 dauernden Aufenthaltsbewilligung mit der Möglichkeit zur beliebigen Ein- und Ausreise.

Meine Aufgabe im Libanon umfasst die Betreuung des Computer-Raumes, Aufbau des Schul-Netzwerkes, Unterstützung der Mitarbeiter bei Informatik-Fragen, sowie Dokumentations- und Informationsaufgaben für den Unterstützungsverein in der Schweiz.

Die ersten paar Wochen verbrachte ich mit einer Bestandesaufnahme der vorhandenen Infrastruktur, sowie der Instandsetzung des Computer-Raumes. Im Computer-Raum reparierte ich defekte Geräte und installierte alle Computer neu, was aufgrund der veralteten Maschinen, der langsamen Internetgeschwindigkeit, der häufigen Stromausfälle und der Benützung des Computer-Raumes durch die Schüler sich länger hinzog als gedacht.

Ende Oktober wurde die Schule von Christoph Schmitter besucht. Während seines Besuches habe ich ihn teilweise begleitet und Gespräche mit verschiedenen Leuten dokumentiert (Ein Gespräch mit Yousef). Gleichzeitig haben wir seinen Besuch genutzt, um meinen Einsatz zu koordinieren. Dazu gab es mehrere Gespräche mit dem Direktor der Schule, Herrn Haddad. Nach Herrn Schmitters Besuch habe ich mich einerseits auf das Schulnetzwerk und andererseits auf den Ausbau der Webseite des SVS, sowie eine Analyse der Schul-Webseite konzentriert.

Bezüglich des Schulnetzwerkes wurde beschlossen, die bereits gelegten Kabel (zwischen 8 Gebäuden) alle während meinem Einsatz zu verknüpfen und die Computer der administrativen Mitarbeiter (ca. 8 Computer) ans Netzwerk anzuschliessen.

Hier zeigte sich bald das wohl grösste Problem meines Einsatzes: Ich habe Schwierigkeiten, voranzukommen, wenn ich auf andere Leute angewiesen bin. Es hat einen Monat gedauert, bis ich den zuständigen Herrn vom Elektro-Department dazu gebracht habe, mir die verlegten Kabel schon nur zu zeigen.

Zu den Gründen für die Probleme zählen wohl kulturelle Unterschiede, die Arbeitsbelastung des Personals, sowie häufige Absenzen des Direktors wegen einer Behandlung. Um die Situation zu verbessern versuche ich zu lernen, wie ich mich besser durchsetzen kann und wie die internen Abläufe funktionieren.

Der momentane Stand der Dinge ist folgender:

  • Ich bestehe immer noch auf einem gemeinsamen Treffen mit dem Direktor und dem Maintenance-Department zur Klärung der Prioritäten.
  • Vom Elektriker lasse ich mir zeigen, wie man die Netzwerk-Kabelenden an einen Stecker anschliesst, damit ich diesen Teil der Arbeit selber erledigen kann.
  • Die Beschaffung der notwendigen Netzwerk-Geräte (Switches etc.) besorge ich der Einfachheit selber mit Mitteln des SVS.

Ziel ist es nach wie vor, bis Zweite Hälfte Januar ein in grossen Teilen funktionierendes Netzwerk zu haben. In einem zweiten Schritt sollen dann die Computer angeschlossen werden. In der Zeit bis zum Ende des Einsatzes soll das Netz dann in Betrieb genommen und getestet werden.

Während mir in der Netzwerksache die Hände gebunden sind, bin ich nicht untätig. Ich

  • überlege mir, wie man die Webseite der Schule (http://jlss.org) sanft renovieren könnte,
  • arbeite an der Webseite weiter (mittlerweile aufgeschaltet auf schnellerschulen.org),
  • schreibe meinen Blog (momentan noch auf http://schnellerzivi.wordpress.com),
  • betreue die Umstellung der Adressdatenbank des SVS,
  • helfe den Mitarbeitern, indem ich Backups erstelle, Kaufberatung für Laptops abgebe, einzelnen Interessierten Computer-Unterricht gebe,
  • fotografiere und filme Schulanlässe mit,
  • führe Aufträge für den SVS aus (Bericht „Ein Gespräch mit Yousef“, neues Formular für Mikroprojekte) und
  • kümmere mich weiterhin um den Service auf den Computern des Computer-Raumes (bessere Parental Controls, mehr Spiele).


Weihnachtsrummel

Geschrieben von rolandhaeusler am 11.12.2011

Als ich vor zwei Jahren mein Praktikum in Chile absolviert hab, war das Einzige, was einen an Weihnachten erinnert hat, der von CocaCola gesponsorte Plastikweihnachtsbaum an der Hauptverkehrsstrasse in Santiago. Wie anders ist es hier!

Am 6. Dezember wurde in der Kirche Nigginäggi gefeiert, wie es sich gehört. Weil der kamerabewaffnete Zivildienstleistende vom Anlass nichts wusste und durch Abwesenheit glänzte, durften die beiden improvisierten Santichläuse vor dem Lichterlöschen nochmals durch die Familien stampfen (diesmal mit Fotograf), ein zweites Mal Nüsse und Mandarinen verteilen und mit den Kindern singen. Den Kindern und den Chläusen wars recht.

Auch die schönen Nadelbäume, die normalerweise unauffällig den Schulhof säumen, schmücken sich hier und da schon mit glänzenden Weihnachtskugeln und Glitzerketten. Der Erzieher Shafic hat einen Santichlaus-Baum erkoren, den der über und über mit Chlausen-Mützen behängt hat (bevor der strenge Dezemberwind sie wieder herunterblies). Und jeden Tag, wenn man über den Schulhof geht, schaut man etwas genauer hin als normal, ob sich nicht etwa noch eine weitere Tanne mit Kugeln und Lichtern geschmückt hat.

In Jeder Internatsfamilie haben sich die Betreuer und die Kinder Mühe gegeben und Dekorationen aufgestellt. Weihnachtsbäume, Krippenspiel und natürlich darf der Adventskranz nicht fehlen.

Auch in der Kirche hängt schon ein wunderschöner Adventskranz. Und natürlich wird jeden Sonntag eine Kerze mehr angezündet. Die deutschen Volunteers haben für ihre jeweiligen Familien Advendskalender gebastelt. Die Volunteers legen sich richtig ins Zeug. Am Freitag nachmittag schmücken sie in der Kirche den Weihnachtsbaum.

Am Samstag dann besuche ich Maria die Deutschlehrerin, welche mit den Mädchen aus der Familie 3 von Erzieherin Daad gerade Plätzchen aussticht. Laura, die Frau des Direktors, schaut vorbei und bringt zusätzliche Kuchenbleche. Wenn ich keine Bilder von den eifrig ausstechenden und dekorierenden Mädchen mache, renne ich zum Ofen einen Stock tiefer und bringe die neue Charge Engelchen-, Herzchen- und Weihnachtsbaum-Gutzi (in Deutschland sagt man Plätzchen) zum Ausbacken.

Immerhin kann ich am Schluss selber noch einen kleinen Beitrag leisten. Aus Johannes’ Bastelkiste klaue ich mir ein paar Bändel, mit denen ich die Säckchen, in welche die Gutzi abgefüllt wurden, zubinde, zwei Säckchen pro Mädchen, zum Verschenken – oder Selberessen.

Auf dem Rückweg vom Mädchenhaus gehe ich noch kurz beim kleinen Quartierladen vorbei, kaufe noch ein paar Kleinigkeiten und gehe zurück Richtung Schu… Moment, da stimmt was nicht mit dem Mond. Das ist ja eine beinahe totale Mondfinsternis. Ich renne in die Wohnung, hole meine Kamera, um das Ereignis festzuhalten. Leider ist ohne Stativ nicht viel zu machen. Das Ereignis spricht sich herum und die Kinder, welche eigentlich auf die Prüfungen lernen sollen nächste Woche kommen auf den Hof hinaus, um das seltene Phänomen zu betrachten.

Und so ist es der dritte Advent geworden. In zwei Wochen schon fliege ich in die Schweiz zurück, um Weihnachten mit meiner Familie zu feiern. Einen Weihnachtskulturschock werde ich wohl nicht erleiden, wenn ich in Zürich ankomme.


Ein Tag im Leben von…

Geschrieben von rolandhaeusler am 30.11.2011

Um 6 klingelt der Wecker. Es ist nicht meiner, sondern jener vo Johannes, dem deutschen Volunteer im Zimmer nebenan. Ich drehe mich also noch einmal um und schlafe weiter. Um 8 werde ich von den Stimmen der Kinder auf dem Hof geweckt und entscheide mich nach längerem Zögern, doch aufzustehen.

In der Küche mache ich mir eine Tasse Haferflocken mit Quark und Wasser zurecht und begebe mich ins Wohnzimmer. Dort sitzt bereits Thomas, der andere Volunteer. Er hat auch schon die elektrische Heizung angestellt, es ist einigermassen warm im Zimmer.

Johannes und Thomas haben um 6 Uhr 30 die Kinder im Internat geweckt und mit ihnen gefrühstückt. Nachdem die Kids in die Schulzimmer abgezottelt sind, haben die Volunteers den restlichen Morgen frei.

Mein Ziel ist es, vor 9 mit der Arbeit zu beginnen. Heute erreiche ich es und betrete um 8 Uhr 45 den Computer-Raum. Als erstes stecke ich meinen Laptop ein und rufe meine Emails ab. Danach erfolgt erst mal der morgendliche Rundgang durchs Internet. Nachrichten aus der ganzen Welt, aus der Schweiz und dem Nahen Osten, schliesslich will man ja informiert sein, wenn die Bomben hochgehen.

Danach baue ich an den Computern die Ersatzteile ein, die mir gestern Shafic, der Chefeinkäufer gebracht hat. Tastaturen, Mäuse und CD-Laufwerke. Die Laufwerke sind gebraucht, einige davon funktionieren denn auch nicht. Ich baue sie gleich wieder aus. Das Problem ist, dass man die Laufwerke, die ich brauche, gar nicht mehr kaufen kann. Der Verkäufer hat drum Shafic gratis einige gebrauchte mitgegeben.

 

Ich begebe mich vor zum Büro der Administration, wo ich auf Shafic treffe und mit ihm bespreche, wie ich weiter vorgehen soll. Er verspricht mir, noch weitere Laufwerke zu besorgen. Ich baue aus dem alten, ungenutzt herumstehenden Computer das CD-Laufwerk aus und packe es ein. Danach bitte ich die Sekretärin, mich für ein kurzes Gespräch mit dem Chef einzutragen.

Auf dem Rückweg vom Büro treffe ich auf Tony und George vom Hausdienst, die gerade die Oliven auf dem Gelände ernten. Ich hole kurz die Kamera aus der Wohnung und mache einige Fotos.

Im Computer-Raum treffe ich auf Maysun, die Computer-Lehrerin. Sie ist mit einer Klasse da und führt eine Probeprüfung durch. Ich schaue den Kids ein Wenig zu, und helfe dann und wann, wenn sie eine Frage haben. Da ich meine Kamera dabeihabe, mache ich gleich noch einige Fotos.

Als die Kinder weg sind, baue ich das CD-Laufwerk ein. Es funktioniert! Jetzt brauche ich eine Kneifzange. Solcherlei findet man am ehesten bei Monah, dem Chef Maschinen und Reparaturen aller Art. Auf dem Hof treffe ich wieder auf Johannes und Thomas, auch sie sind auf dem Weg zu Monah. Es ist 11 Uhr.

Monah ist mit dem Reparieren der Schulfahrräder beschäftigt. Jetzt gibt es aber einmal Tee. Tony und George unterbrechen die Olivenernte und kommen herüber. Auch Martin, der Chef des Gästehauses, ist da. Er hat hilft heute bei der Olivenernte mit.

Nach dem Tee und einer Kneifzangenoperation am Monitorkabels eines Computers gehe ich nochmal vor zum Büro. Ich bekomm den Chef kurz ans Telefon und bespreche mit ihm, wie ich den Empfang der Ersatzteile quittieren soll, und wie wir weiter vorgehen sollten.

Nun ist es Zeit fürs Mittagessen und ich geh rüber zum Speisesaal, wo Hans, der deutsche Buchhalter der Schule, und Maria die Deutschlehrerin schon am Essen sind. Heute haben wir Glück, es gibt Hamburger und Pommes.

Den Nachmittag verbringe ich wieder im Computer-Raum und bastle an der Webseite. Pünktlich um 3 Uhr fällt der Strom aus. Jeden zweiten Tag gibts von 3 bis 5 keinen Strom, an den Anderen Tagen von 5 bis 6. Ich pack meine Sachen ein und lade sie in der Wohnung ab. Dann geh ich erst mal eine Runde Joggen. Vor dem Joggen stecke ich noch den Boiler ein, damit ich nachher auch ordentlich duschen kann.

Als ich eine Stunde später vollgeschwitzt zurückkomme, fällt mir beim Blick auf den Boiler-Thermostat ein, dass dieser elektrisch und somit während der letzten Stunde gar nicht geheizt hat. Ich entscheide, dass mit der Restwärme von gestern eine kurze Dusche drinliegen sollte.

Danach gibts erst mal ein Nutella- und ein Käse-Brot. Ich lege mich ins Bett, dem einzigen warmen Ort in der stromlosen Wohnung und schaue einen Film auf meinem Laptop.

Später als der Strom wieder da ist, überwinde ich mich, aufzustehen und bereite einen Brotteig vor. Da es immer ziemlich kalt ist in der Wohnung geht der schlecht auf und ich lass ihn jeweils über Nacht stehen.

Um halb 8 gehe ich dann noch einmal hinüber in den Computer-Raum. Jede Internatsfamilie hat einen Computer-Abend pro Woche, an dem die Kinder Computer-Spiele spielen dürfen und im Internet surfen. Heut ist Johannes’ Familie dran. Für mich gibt es nicht viel zu tun, ich schaue ab und zu, dass die Kinder keine ungeeigneten Seiten anschauen und helfe bei kleinen Problemen. Johannes führt die Aufsicht und hat die Kinder gut im Griff.

Um 10, als die letzten Kinder gegangen sind, schalte ich die Computer ab und überprüfe ich noch einmal, dass alles in Ordnung und nichts fehlt. Dann geh ich zurück in die Wohnung.

Im mittlerweile wieder geheizten Wohnzimmer lasse ich mit den Volunteers den Tag ausklingen und geh dann auch bald einmal ins Bett.


Betrachtungen über ein Sandwich

Geschrieben von rolandhaeusler am 24.11.2011

Gewisse Dinge fehlen einem in der Fremde. Ich zum Beispiel hätte gerne wieder einmal ein Salami-Sandwich. Ein Sandwich entsteht, wie Mani Matter bereits eingehend erläutert hat, aus der geschickten Schichtung von Brot und Fleisch.

Der Aufbau des Sandwichs soll nicht das Thema sein heute, sondern die Frage, wie man in der Bekaa an Brot und Salami herankommen kann. In der Libanesischen Küche wird ein fladenartiges Brot verwendet. Es kann in kleine Stücke zerrissen werden, die man zu kleinen Schäufelchen formt, mit denen man Hummus, das Kichererbsenmus, Oliven, Reis und Ähnliches aufschaufelt. Für ein Sandwich ist dieses Brot eher bedingt geeignet.

An der Johann Ludwig Schneller-Schule wird nach deutschem Rezept das “Schneller-Brot” gebacken, welches sich als Alternative anbieten würde. Es wird vorgeschnitten und in Plastiksäcken verpackt an der Schulpforte zum Verkauf angeboten.

Für unser Sandwich entscheiden wir uns für ein selbstgemachtes, frischgebackenes Brot. Dazu kaufen wir im Supermarkt im nahegelegenen Städtchen Trockenhefe und Vollkorn-Mehl.

Auf dem Heimweg fährt ein verrücktgewordener Quad-Fahrer (ein Motorfahrrad mit 4 Rädern) so nah an mir vorbei, dass er den an meinem Fahrradlenker hängenden Plastiksack touchiert, zerreisst und dessen Inhalt (Spaghetti und Brätzeli) auf der Strasse verteilt.

Erst am nächsten Tag fällt mir auf, dass auch die Trockenhefe fehlt und wohl in jenem Schicksalsplastiksack gesteckt haben muss. Ich gehe also, diesmal zu Fuss (sicher ist sicher), zurück zur “Unfall”-Stelle, finde tatsächlich die Trockenhefe und bringe sie triumphierend nach Hause.

Um Salami zu ergattern, muss man gröberes Geschütz auffahren. Am verlängerten freien Wochenende (Libanesischer Unabhängigkeitstag) fahre ich nach Beirut. Wegen der Feierlichkeiten sind die Sicherheitsvorkehrungen noch strenger als sonst. Die Soldaten stehen zu Hunderten in 5 Meter Abstand in der ganzen Altstadt, auch Schützenpanzer haben sie heute mitgebracht.

Ich entziehe mich der gespannten Atmosphäre und suche ein Service-Taxi zur CityMall, dem riesigen Shopping-Komplex im Norden von Beirut. Die Taxifahrer sind ungehalten, wenn man als Einzelmaske da hin fahren möchte und ihre exorbitanten Preise nicht bezahlen will. Ich wedle so lange mit zwei Tausenderscheinen vor ihren Augen, bis sich einer erbarmt und mich mitnimmt.

In der CityMall betrete ich den wohl grössten Supermarkt, den ich je gesehen habe. Wohl an die 50 Gestellreihen erwarten den Besucher und so enorm wie die Ausmasse sind auch die Preise. Dafür gibt es wirklich Alles zu kaufen. Sogar eine ordentlich bestückte Käsetheke gibt es.

Mit dem Salami in der Hand paradiere ich zur Kasse Nummer 34, in froher Erwartung dessen, was zu Hause in der Küche noch folgen soll.

Auch in Sachen Kochausrüstung habe ich noch einmal kräftig investiert. Im ähnlich riesigen Haushaltwaren-Geschäft im Obergeschoss der CityMall habe ich mich mit Victorinox-Rüstmessern und einem Sparschäler eingedeckt (habe ich schon erwähnt, dass es Alles, wirklich Alles, gibt?). Am Tag zuvor schon hatten wir auf dem Souk, dem Markt, in Sidon in der Handwerkerstrasse einen handgeschnitzten Kochlöffel ergattert.

Und so ist am Montag nachmittag die Zeit gekommen, das Brot zu backen und das Sandwich zuzubereiten. Fehlt noch die Butter. Hier geht es vor allem darum, sie nicht auf die falsche Seite zu streichen, wie Mani Matter bereits erkannt hat.


Drei Bunte Hunde auf dem Rad

Geschrieben von rolandhaeusler am 16.11.2011

Joub Jannine vom Dach der Schneller-Schule aus gesehen

Joub Jannine vom Dach der Schneller-Schule aus gesehen

Am Samstag morgen ist auf dem Gelände vor Joub Jannine der Souk, der Markt. Zu kaufen gibts alles. Auf unserer Einkaufsliste stehen Gemüse, Früchte, Oliven, Gewürze, eine Schere, ein Schraubenschlüssel und ein Schneidebrett.

Von der Schneller-Schule geht man zu Fuss etwa eine Stunde, bis man am Souk ist, mit dem Fahrrad gehts schneller. Die Deutschen Volontäre haben für sich und mich 3 Fahrräder aus dem Bestand der Schule aufgemöbelt und so schieben wir jetzt unsere Räder über den Markt.

Vor zwei Wochen haben wir auf dem selben Markt ein Bratpfannen-Set (3 Pfannen), sowie einen Kochtopf gekauft für total 15 Schweizer Franken. Die Preise sind billig, manchmal. Für 4 Kilo Gemüse bezahlen wir 3 Franken, für 10 Äpfel das Doppelte. Es kommt immer draufan, wie schlau die Verkäufer sind und wie dumm die Käufer. Unter dem Strich können wir uns nicht beklagen.

Nach dem Markt fahren wir noch in den Supermarkt in der Stadt und ergänzen unsere Einkäufe mit Philadelphia-Frischkäse, Kinder-Schokolade und all den notwendigen Erzeugnissen der globalisierten Lebensmittel-Industrie.

Wer im Libanon mit dem Fahrrad herumfährt, fällt auf wie ein bunter Hund. Die Leute lächeln. Vielleicht über die verrückten Ausländer, die sich da mühevoll abstrampeln, vielleicht aber auch, weil sie sich erinnern, dass im Frühling eine Gruppe von Esten entführt wurde, die auch mit dem Fahrrad unterwegs war.

Aus dem Supermarkt tretend, werden wir sogleich auf eine Tasse Kaffee eingeladen. Die beiden Männer sehen nicht aus wie Entführer, also sagen wir zu. Wir werden in eine noble Wohnung geführt, wo wir mit türkischem Kaffee, Saft und Dattelkeksen bewirtet werden.

Wir werden der ganzen Familie vorgestellt und tauchen ein Wenig ein in ein Familien-Leben in der libanesischen Oberschicht. Die Kinder haben alle an guten Universitäten studiert, Bilder von den Diplomzeremonien stehen überall herum. Universitäre Ausbildung ist teuer und ein Status-Symbol. Die Familie hat eine Zeit lang in Brasilien gelebt und hat Verwandte in den USA. Ein Bruder, der leider abwesend ist, arbeitet (oder arbeitete) für das libanesische Umwelt-Ministerium.

Nach etwa einer halben Stunde schaltet der Familien-Patriarch den Fernseher an, wohl ein Zeichen, dass der Besuch langsam beendet ist. Wir werden herzlich verabschiedet, nicht jedoch ohne noch für ein Foto zu posieren und Facebook-Kontakte ausgetauscht zu haben. Hier haben alle Facebook.

Wir fahren die Hauptstrasse von Joub Jannine entlang und suchen einen Imbiss, da werden wir schon von den nächsten lächelnden Männern zum Tee gebeten. Wir setzen uns zwischen Ofenrohren und Bananenschachteln in den Eingang des Ladens und plaudern.

Da wir nicht viel Arabisch, und die Ladenverkäufer weder Englisch noch Französisch sprechen, gestaltet sich das Plaudern sehr spontan. Nach einigen Minuten Kauderwelsch fällt dem Verkäufer schliesslich ein, dass Hitler ja ein Deutscher war, und der wird in jeder Sprache gleich ausgesprochen. Der Mann malt zur Sicherheit noch ein Hakenkreuz auf ein Papier. Meine Begleiter nehmen es eher verlegen zur Kenntnis. Als Deutscher muss man mit solchen Dingen offenbar rechnen.

Wir beenden unseren Ausflug in die Stadt mit einem Halt beim Schnell-Imbiss, wo wir uns eine Art warmes Käse-Sandwich zu Gemüte führen. Wir loben den Wirt dermassen in den Himmel, dass er gar kein Geld annehmen will und uns sogar noch eine ganze Tüte Gewürzmischung zum Abschied mitgibt.


Ein Wochenende in Beirut

Geschrieben von rolandhaeusler am 10.11.2011

Eid Al-Adha, das muslimische Opferfest. Die Schule ist zu übers verlängerte Wochenende. Vier Tage Beirut, das ist der Plan.

Von Khirbet in die Hauptstadt zu kommen ist nicht ganz einfach, wenn man sich nicht auskennt. Es fährt eine Art Bus von Süden her nach Chtoura. Wenn man winkt, hält er an. Nur regnet es gerade in Strömen, als ich den Bus nahen sehe. Ich renne hin. Hmm… Das ist gar nicht der Bus, hat nicht einmal ein offizielles, rotes, Taxi-Nummernschild. Egal, es schüttet und ich habe keine Lust noch länger zu warten.

Bei der Abzweigung in Qabb Elias aussteigen, die Strasse überqueren und dort in ein “Service-Taxi” einsteigen, einen alten Mitsubishi-Minivan. Der fährt nach Beirut. End-Station Bus-Terminal irgendwo in Beirut, hab ich gehört.

In einem Vorort von Beirut, mittlerweile bin ich der letzte Gast, werde ich höflich aus dem Auto geworfen. Später erfahre ich, dass der “Bus-Terminal” genaugenommen eine Strassenkreuzung ist, bei der viele Taxis und Service-Taxis vorbeifahren.

Ein Taxi bringt mich zur etwas zwielichtigen Pension “Valery”. Die Gemeinschaftsdusche möchte ich lieber nicht benützen, aber es laufen keine Kakerlaken über den Boden und das Personal ist nett. Billig ist es auch.

Erst mal die Stadt ein Bisschen kennenlernen, zu Fuss, denn von Taxis und dergleichen hab ich vorerst genug. Die Strandpromenade, das Studentenviertel, die aufgemotzte Altstadt, die Hariri-Moschee, die gar nicht Hariri-Moschee heisst, aber aus irgendeinem Grund geht mir der Name nicht aus dem Kopf.

Hariri hat sie erbauen lassen und liegt darin begraben, aber benannt ist sie nach jemand Anderem. (Gemeint ist der libanesische Premier Rafik Hariri, den dunkle Mächte im Jahre 2005 mit Hilfe einer gewaltigen Bombe beim Beiruter Yachthafen ins Jenseits befördert haben).

Besuch auf der Schweizer Botschaft, um mich im Libanon anzumelden, man weiss ja nie. Die Botschaft liegt in der Nähe der Hariri-Moschee. In der Botschaft weist mir ein libanesischer Soldat mit Kalaschnikow den Schalter zu, an dem ich mich anstellen soll.

Überhaupt überall Militär, Militärpolizei, uniformierter Geheimdienst, etc. Strassensperren, Stacheldraht, Beton-Blöcke als Ramm-Sperren. Man versucht sich dran zu gewöhnen. Fotografieren darf man kein Militär und offenbar ist sogar der Sonnenuntergang verdächtig: Ein Soldat nimmt mir an der Strandpromenade meine Kamera weg und löscht die Aufnahme, weil neben der Sonne und dem Meer im Vordergrund noch ein Stein zu sehen ist, wohl ein Teil einer militärischen Anlage.

Nach zwei Tagen habe ich genug von der zwielichtigen Pension Valery, ich möchte einmal duschen. Ich checke ins noble Hotel Mayflower ein. “Es ist gerade kein Einzelzimmer frei. Ich werde ihre Buchung ohne Zusatzkosten auf eine Junior-Suite aufstocken.” Ja gerne. Ich nehme als Erstes gleich ein Bad in der Luxus-Badewanne und zappe mich durch 200 Satelliten-Fernsehkanäle.

Mit den hiesigen und den aus der Schule in Amman zu Besuch weilenden Volontären wird eine Wasserpfeife geraucht im “Café Hassan”, einer Kneipe beim Leuchtturm. Dazu trinkt man Tee. Die Welt dreht sich leicht, als wir mit einer halben Nikotin-Vergiftung in Richtung Ausgang wanken.

Die Rückfahrt zur Schule gestaltet sich einfacher als die Hinfahrt. Monsieur Ara, ein Erzieher an der Schule, lotst mich übers Handy an eine vielbefahrene Strassenkreuzung in einem östlichen Vorort von Beirut. Ein blauer Bus taucht auf, ich fuchtle wild mit meinen Händen, der Bus hält an, ich steige ein. Zwei Stunden später setzt er mich vor dem Tor der Schneller-Schule in Khirbet ab. Kosten Busfahrt: 4 Franken.


Besuch vom Chef

Geschrieben von rolandhaeusler am 03.11.2011

Christoph Schmitter, der Präsident des Schweizer Vereins für die Schneller Schulen (SVS), stattet der Schule einen Besuch ab. Da der SVS als Mittler zwischen der Schule und der Vollzugsstelle für den Zivildienst agiert und die Verantwortung für meinen Einsatz trägt, ist Herr Schmitter mein Chef und Vorgesetzter.

Während seines Besuches habe ich die Gelegenheit, Herrn Schmitter bei einigen Begegnungen und Rundgängen zu begleiten und interessante Erfahrungen zu machen.

Direktor Haddad führt uns durch die Schule. Er zeigt uns die Bauarbeiten, die an den Gebäuden der Schule ausgeführt wurden und gibt uns einen Einblick in die Internatsräume und die Lehrlingsstätte für Mädchen, die bald eröffnet werden soll.

Wir treffen den alten Jussef, der 1927 als Waisenkind von Khirbet Qanafar ans von Herrmann Schneller geleitete Syrische Waisenhaus in Jerusalem kam. Er erzählt, wie er den 2. Weltkrieg, die Gründung Israels, den libanesischen Bürgerkrieg und auch den Krieg von 2006 zwischen Israel und dem Libanon erlebt hat.

In der nahen Stadt Joub Jannine haben wir die Gelegenheit, eine Lehrlingsausbildungsstätte der “Konkurrenz” zu besuchen. Herr Schmitter diskutiert mit den Mitarbeitern über die Probleme und Herausforderungen der Lehrlingsausbildung im Libanon und auch in der Schweiz.

Der Chef kümmert sich auch um meine Arbeit an der Schule, in der Bemühung darum, dass ich meinen Einsatz möglichst effizient und zielgerichtet durchführen kann.

Interessante sieben Tage waren es, die jetzt zu Ende gehen, nicht zuletzt auch deswegen, weil Herr Schmitter viele Leute von der Schule kennt. Und wenn ich ihn auf dem Schul-Campus sehe, mit einem Mitarbeiter der Schule ins Gespräch vertieft, und mich dazu geselle, so erfahre ich immer wieder etwas Spannendes über die Geschichte der Schule, das Land und über die Leute.


Der Autor stellt sich vor

Geschrieben von rolandhaeusler am 26.10.2011

Der Autor

Der Autor

Nachdem ich letzte Woche über meinen Arbeitsauftrag geschrieben habe, wird es manche Leserinnen und Leser vielleicht interessieren, wer das genau ist, der hier die Blogeinträge verfasst. Daher handelt der heutige Beitrag von mir und meinem Werdegang.

Mein Name ist Roland Häusler, ich bin 27 Jahre alt, bin in der Region Basel aufgewachsen und habe die letzten knapp sieben Jahre in Zürich studiert.

Ich habe diesen Sommer meine Ausbildung an der ETH mit einem Master in Informations-Sicherheit abgeschlossen. Informations-Sicherheit ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit Fragen der Privatsphäre, Verschlüsselung, Daten-Sicherheit etc. befasst. In meiner Master-Arbeit analysierte ich neuartige Datenbank-Verschlüsselungsverfahren und suchte nach Möglichkeiten, solche Verschlüsselungen zu attackieren (zu “hacken”, auf Neu-Deutsch).

Nach dem Gymnasium, zwischen Matur, Rekrutenschule und Studium habe ich bei der Novartis im IT Support gearbeitet und mir so ein solides praktisches Grundwissen über Computer erarbeitet, von PC-Reparaturen über Word- und Excelprobleme bis hin zu Virenbekämpfung und Handy-Synchronisation.

Während meines Studiums habe ich nebenher, mittlerweile selbständig, als IT Supporter und Consultant gearbeitet und meine Tätigkeit erweitert auf das gelegentliche Erstellen von Webseiten und Webapplikationen.

Im Jahr 2008 ergab sich für mich die Gelegenheit in Südamerika, genauer gesagt in Santiago de Chile, ein 5-monatiges Praktikum beim Sprachschul-Reisebüro Yalea zu absolvieren und die Firmen-Webseite neu zu programmieren.

Nach Abschluss meines Studiums war ich erpicht darauf, meine restlichen Diensttage (mittlerweile als Zivildienstleistender) möglichst schnell und möglichst im Ausland abzuleisten. Und so bin ich auf den Schweizer Verein für die Schneller-Schulen gestossen, dessen Einsatz-Angebot im Libanon (oder “Pflichtenheft”, wie es im Zivildienst-Jargon heisst) auf meine Fähigkeiten zugeschnitten schien.

Auf diese Weise bin ich dank der Informatik doch schon ein Bisschen in der Welt herumgekommen, ein lebendes Beispiel sozusagen gegen das Klischee des Computer-Kellerkindes ;-) .


Mein Arbeitsauftrag an der Schneller-Schule

Geschrieben von rolandhaeusler am 19.10.2011

Seit gut einer Woche bin ich nun an der Schneller-Schule im Libanon, Zeit genug also um mich einzuleben und mich mit meiner Arbeit vertraut zu machen.

Ich bin hier während der nächsten fünf Monate zuständig für Alles was mit Computern zu tun hat. Einerseits gibt es da den Computer-Raum, dessen etwas ältere Computer einiger Pflege bedürfen. Weitere Computer stehen im Verwaltungsgebäude, sowie in den Büros der Vorsteher der jeweiligen Internatsfamilien und Lehrbetriebe.

Während meines Aufenthaltes soll ein zweiter Computerraum mit vollständig neu beschafften Computern eingerichtet werden. Die Lehrlinge von der Schreinerei haben hierzu extra passende Tische gefertigt. Die neuen Computer sind noch nicht eingetroffen, weshalb ich mich vorläufig auf die Geräte im älteren Computer-Raum konzentriere.

In den letzten Tagen habe ich mir die Computer einzeln angeschaut und auf Hardware-Defekte überprüft, d.h. ich habe geschaut, ob die Monitore funktionieren, die Tastaturen, die Computer-Mäuse, ob das Internet funktioniert etc. Die defekten Teile habe ich entfernt und, soweit vorhanden, aus Schulbeständen ersetzt. Fehlende Teile werden nachbestellt.

Ein Problem stellen die Netzwerk-Kabel dar, welche ziemlich empfindlich sind. Sie sind exponiert und werden im engen Computer-Raum leicht von den Kindern beschädigt. Ich habe den schuleigenen Campus-Elektriker kontaktiert, damit er die beschädigten Kabel flicken, bzw. gegebenenfalls ersetzen kann.

Neben dem Reparieren mit Schraubenzieher und Kneifzange, bin ich auch dabei, die Software, d.h. die Programme auf den Computern, zu überprüfen. Viele der Computer sind virenverseucht und müssen gereinigt oder sogar neu installiert werden. Da es sich um eine grosse Anzahl handelt, bin ich am Abklären, ob es eine Möglichkeit gibt, alle Computer auf einmal neuzuinstallieren, anstatt jeden Computer einzeln.

Allgemein kann ich sagen, dass die Computer trotz ihres Alters in einem relativ guten Zustand gehalten sind und mit ein wenig Verbesserungsarbeit durchaus noch ein paar Jahre benützbar bleiben.

Neben der Arbeit im Computer-Raum stehe ich den Mitarbeitern der Schule auch bei Fragen und Problemen mit ihren Computern und Laptops zur Verfügung. Dies ist für mich eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und die Leute kennenzulernen.

Insgesamt gestaltet sich meine Arbeit bis jetzt ziemlich abwechslungsreich. Ich kann viel über die Abläufe an der Schule lernen und habe Einblick in verschiedenste Bereiche. Ein Vorteil des IT Supporters ist es stets, dass er sich auf dem ganzen Gelände bewegt und mit vielen Leuten zu tun hat und nicht stets am gleichen Ort mit den gleichen Leuten. Diese Abwechslung geniesse ich.


Passformalitäten

Geschrieben von rolandhaeusler am 12.10.2011

Da steht man also um 2 Uhr morgens im fahlen Neon-Licht am Flughafen Beirut mit dem frischgestempelten Pass in der Hand und fragt sich das erste Mal, was das für eine Welt ist, in der man gelandet ist.

Einen Monat lang hatte ich auf das Visum warten müssen, weil sich die Staatssicherheits-Bürokratie in Beirut nicht sicher war, ob sie mich ins Land hineinlassen wollten. Ein Jahr lang soll das Visum gültig sein, genug Zeit also, die verbleibenden 5 Monate meines Zivildienstes im Land abzuleisten und nachher noch zu reisen. Darüber hinaus kann ich beliebig oft ein- und ausreisen wie ich will.

Ohne Visum wäre es kompliziert geworden. Die Touristen-Visa gelten nur einen Monat, ich hätte also alle vier Wochen nach Syrien oder Zypern ausreisen müssen, um mir einen neuen Stempel zu holen. Aber jetzt hat sich ja alles zum Guten gewendet und ich stehe bei der Gepäckausgabe und warte auf meinen Rucksack.

Um die Zeit zu verkürzen nehme ich nochmals meine Pass hervor um mir dn Visumseintrag anzuschauen. Eine Marke hat der Passbeamte reingeklebt, für die ich 35 US-Dollar bezahlen musste und darunter prangt der Stempel, zum Glück auf französisch und nicht in arabischer Schrift, und ich lese und erschrecke: Gültig einen Monat, ein Grenzübertritt.

Und so stehe ich dann eben da im fahlen Licht des Beiruter Flughafens und frage mich, was das für eine Welt ist, in der ich gelandet bin.

Hat der Beamte vielleicht aus Versehen den falschen Stempel erwischt? Oder hat er es gar absichtlich gemacht? Und Geld hab ich ihm auch noch gegeben dafür!

Verunsichert nehme ich meinen Rucksack in Empfang und begebe mich zum Ausgang, wo ich von George, einem freundlichen Mitarbeiter der Schneller-Schule erwartet werde. Ich zeige ihm meinen Pass-Eintrag, aber er kennt sich nicht aus und so muss ich mich erst mal gedulden. Wir fahren also durch das nächtlich ruhige Beirut, dann aus der Stadt hinaus, über den Pass-Übergang ins Bekaa Tal, wo die Schule liegt.

Nach einigen kurzen Stunden Schlaf werde ich am nächsten Morgen von Herrn Haddad, dem Präsidenten der Schneller Schule herzlich begrüsst. Und bald stellt sich heraus, dass alles in Ordnung ist. Mein definitives Visum muss ich auf dem Polizei-Posten im nächsten Ort in den nächsten paar Wochen abholen. Der Eintrag im Pass dient nur zur Überbrückung.

Und so kann nun mein Zivildienst-Einsatz beginnen an der Johann Ludwig Schneller-Schule in Khirbet Qanafar, West Beqaa, Libanon.