«Zwischen» zwei Seiten

Die Mehrheit der Palästinenser gehören  zur Islamischen und eine Minderheit zur Christlichen Religion. Die Israelis gehören zur jüdischen Religion. In jeder der drei Religionen gibt es aber zahlreiche Untergruppen aufgrund unterschiedlicher Auslegung der Heiligen Schriften mit den entsprechenden Lebensgewohnheiten. Das macht ein enges Zusammenleben im Nahen Osten sehr spannungsreich, schon seit Jahrhunderten. Die Christen werden von Muslimen in schwierigen Situationen gern als Mitläufer der Juden und von Juden als Konspirateure der Muslime gebrandmarkt. Das macht ihre Situation auch im momentanen Gaza-Krieg äusserst schwierig. Sie haben kein Sprachrohr, weder  in der Politik, noch in den Medien. Es verwundert darum auch nicht, dass viele Christen ihre Heimat, das Gebiet der Entstehung des Christentums, verlassen möchten.

Die beiden Schneller-Schulen bewegen sich in genau diesem delikaten «Zwischen» und das schon seit der Gründung des Syrischen Waisenhauses durch Johann Ludwig Schneller im Jahre 1860. Dem Gründer war es schon ein zentrales Anliegen, dass Kinder aus desolaten Familienverhältnissen – ohne Berücksichtigung ihrer Religion – Nestwärme, Schulbildung und eine Berufslehre erhalten. Auch Gesang und Musik waren Wesensbestandteile dieser Erziehung. Seit Anfang waren Kinder aus christlichen und muslimischen Familien zusammen. So lernten und lernen sie die andere Religion kennen und respektieren. Das ist und wäre auch heute im Nahen Osten der einzige Weg zu einem friedlichen Nebeneinander. 

Bis heute wird das an beiden Schulen so gehandhabt. Die christlichen Feste werden gemeinsam in den Schulen gefeiert und für die muslimischen Feste wird ebenfalls Raum geschaffen.

Bei meinem diesjährigen Besuch an beiden Schulen Mitte November muss ich mich auf die TSS in Amman beschränken, weil die JLSS im Libanon im Handlungsbereich der Hisbollah liegt, die ebenfalls mit Raketenbeschuss auf Nordisrael in den Gaza-Krieg eingegriffen hat. Wir hoffen und beten für den Schuldirektor George Haddad, dass die Schule von Vergeltungsschlägen der israelischen Armee verschont bleibt.

An der TSS in Amman werde ich die fertig aufgestellte Orgel in der Kirche bewundern und im Sonntagsgottesdienst hoffentlich auch erklingen hören. Dem dortigen Schuldirektor Khaled Freij liegt die musikalische Erziehung der Kinder ebenso am Herzen wie dem Gründer des Syrischen Waisenhauses. Weiter stehen grosse Renovationsarbeiten beim Internatsgebäude an. Ich bin auch gespannt, wie weit fortgeschritten die Einrichtung der Bäckerausbildung ist. Zum Glück konnte sich Jordanien bis anhin vom Gaza-Krieg mehr oder weniger abschirmen.

Nun bleibt mir zu danken für jede Unterstützung der Schulen in dieser schweren Zeit im Gebet und mit finanziellen Mitteln. Als christliche Schulen sind beide vom Staat hoch geschätzt aber erhalten keinerlei staatliche Finanzen. Das ist eben auch eine Folge ihres «Zwischen».

Das beigelegte Anmeldeformular ist für Neumitglieder gedacht; als Mitglied können Sie es gern im Freundeskreis weiterreichen. Mit den Mitgliederbeiträgen decken wir die Unkosten des Vereins (Bank, Post, Schneller Magazin …) ab, damit das Spendengeld möglichst ungeteilt den Schulen zugutekommt. Auch Legate sind willkommen.

Ursus Waldmeier, Präsident SVS